Auch, wenn ich erst seit ein paar Jahren Rollstuhlfahrerin bin, durfte ich die Erfahrung machen, dass Barrierefreiheit ein sehr dehnbarer Begriff ist, ganz abgesehen von den unterschiedlichen Behinderungen und den daraus resultierenden Bedürfnissen. Das ist auch der Grund warum ich viel Energie darauf verwende möglichst unabhängig von vermeintlich barrierefreien Orten zu sein. Barrierefrei bedeutet häufig eben nicht barrierefrei!

Ich versuche hier möglichst genau die Campingplätze, Orte und Begebenheiten zu beschreiben, sodass Du als Betroffener besser entscheiden kannst, ob du es wagst auch dorthin zu reisen.

Es ist mir jedoch auch ein Anliegen möglichst viele dafür zu sensibilisieren, worauf es bei Menschen mit körperlichen Einschränkungen ankommt.

Im Ötztal 2019

Im Ötztal habe ich mir den Naturcampingplatz in Huben ausgesucht.

Er ist klein und liegt wunderschön am Fuße der Berge, ist aber absolut nicht barrierefrei. Bereits die Rezeption ist nur über Stufen erreichbar und der gesamte sanitäre Bereich liegt im Untergeschoss.

Dennoch werden wir auf diesem Campingplatz eines Tages erneut unser Zelt aufschlagen. Ich bin bestens ausgerüstet, wie du bei Hygiene nachlesen kannst.

Im Ort selber kam ich mit dem Rollstuhl gut voran, allerdings gibt es weit und breit keine barrierefreie Toilette.

Auf den gut ausgebauten Radwegen (asphaltiert oder grob geschottert) war die Fahrt mit unserem Tandem entlang der Ötztaler Ache ein Genuss.

Auf dem Weg nach Rumänien 2019

Der Campingplatz „Paula“ in Frauenkirchen in Österreich.

Der Campingplatz hat eine behindertengerechte Toilette, die der Campingplatzbetreiber extra für mich aufsperrte. Der Rollstuhl hatte seitlich Platz, sodass ich mich von rechts (ist jetzt nicht meine beste Seite) auf die Toilette setzen konnte. Auf der rechten Seite ist an der Wand ein Haltegriff und auf der linken Seite eine Haltestange angebracht. Für jeden also etwas :-)!

Das Waschbecken ist sehr gut unterfahrbar, allerdings viel zu hoch. Im Spiegel entdeckte ich nur Jakob. Was gar nicht ging, war, dass das Waschbecken nur über kaltes Wasser verfügte. Wahrscheinlich haben Rollstuhlnutzer sowieso immer heiße Hände vom Anschieben.

Doch wer suchet, der findet: Sowohl im Waschraum der Frauen als auch bei den Herren gibt es jeweils ein niedriges Waschbecken mit passendem Spiegel (vermutlich für Kinder) und warmes Wasser. Also waren Zähne putzen und Haare waschen gut möglich. Eine Dusche gab es allerdings nicht für mich.

Die Wege auf dem Campingplatz sind mit Rollstuhl gut machbar, da sie entweder asphaltiert oder gepflastert sind.

Der Ort Frauenkirchen selber ist schwer zugänglich, da die Gehwege oftmals viel zu eng und holprig sind. So mussten wir statt einer Ortsbegehung eine Ortsbefahrung mit dem Auto machen.

In Ungarn fühlten wir uns auf dem Campingplatz „Oàzis Tanya“ inmitten der Puszta sofort wohl. Wir bauten unser Zelt im oberen Bereich in der Nähe der Sanitäranlagen auf. Auf der rechten Seite kannst du das barrierefreie Häuschen mit den Sanitärräumen entdecken.

Eine Toilette war bei den Damen für mich zugänglich, da dort die Türe breit genug war und Jakob mich elegant auf die Toilette heben und drehen konnte.

Die Waschbecken waren so gestaltet, dass sie gut für mich nutzbar waren. Zum Duschen gab es bei den Herren eine etwas breiter gestaltete Duschkabine mit sehr stabilem Duschstuhl. Der hatte sogar eine Lehne und links und rechts jeweils einen Haltegriff. Was will man mehr?

Der Campingplatz selber war zumindest im oberen Bereich mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Klar, Wiese ist eben immer etwas holpriger.

In Rumänien waren wir auf dem Camping de Oude Wilg in Cârța. Es ist ein kleiner beschaulicher Campingplatz mit 35 Plätzen.

Die Sanitäranlagen sind absolut nicht barrierefrei. Manchmal nutzte ich jedoch die Toilette. Sie war ebenerdig zugänglich und recht eng. So konnte ich mich am Fenstersims oder Türgriff festhalten. Ohne meinen Toilettenstuhl wäre ein längerer Aufenthalt allerdings nicht möglich gewesen. Die Duschen konnte ich gar nicht nutzen. Wie ich das leidige Thema mit Toilette und Dusche löse, kannst du hier nachlesen.

Auf dem Campingplatz selber konnte ich mich einigermaßen fortbewegen, da die Wiese relativ eben war.

Gegenüber des Campingplatzes gab es einen kleinen Laden, der irgendwie alles hatte und für mich zugänglich war. So konnte ich mir mein Obst, Gemüse und Eis selber aussuchen.

Der Ort Cârța (auf deutsch Kerz) war mit Rollstuhl erstaunlich gut machbar. Alle Gehwege waren sehr breit und gepflastert. Also stand einer Ortsbegehung und -berollung nichts im Wege.

Unsere Sommerreise 2021 in die Maramures

Mir war schon vor der Reise klar, dass ich bezüglich Barrierefreiheit nichts erwarten konnte und was die Hygiene anbelangt auf mich alleine gestellt war. Wie das gewöhnlich funktioniert, kannst du hier nachlesen.

Der Campingplatz „Paula“ in Frauenkirchen in Österreich.

Unser erster Aufenthalt war der uns bekannte Campingplatz „Paula“ in Frauenkirchen. Eine ausführliche Beschreibung dazu, kannst du oben bei „Auf dem Weg nach Siebenbürgen“ nachlesen. Nur so viel: Es war der einzige Campingplatz bei dem ich ein Bad sowie die Toilette nutzen konnte.

Dank meines Vorspannrads konnten wir Frauenkirchen und den Kalvarienberg besichtigen.

Auf der Hinfahrt in die Slowakei: Camping und Glamping Slovakia

Bei PiNCAMP steht folgende Beschreibung: Naturbelassenes, geneigtes Wiesengelände in abgeschiedener Lage unweit der ungarischen Grenze (ca. 20 km). Von Wäldern umgeben – eine Oase der Ruhe für Naturliebhaber und Campingpuristen. Nur wenige Standplätze für Caravans oder Wohnmobile.

Wer zwischen den Zeilen lesen kann, weiß Bescheid. Geneigtes Wiesengelände in abgeschiedener Lage und nur wenige Stellplätze für Caravans oder Wohnmobile bedeutet völlig unwegsam und schwierig dorthin zu gelangen. Als Rollstuhlfahrer eine echte Herausforderung sich dort fortzubewegen. Wenn man nicht gerade Popeye heißt, dann braucht man dringend eine Begleitperson. Die Toiletten und Duschen waren für mich nicht zugänglich.

Unser Ziel in Rumänien: Der Campingplatz „Babou Maramures“

Auch hier ist das Gelände sehr unwegsam, schief, uneben und manchmal sind sogar tiefe Löcher in der Wiese. Ohne mein Vorspannrad und Jakob hätte ich mich nicht vom Fleck rühren können. Die Sanitäranlagen konnte ich nicht nutzen.

Im Ort Breb selber kam ich trotz Vorspannrad nicht weit. Es gab zu viele große Steine, Schlaglöcher, Neigungen und teilweise sehr abschüssiges Gelände. Also fuhren wir immer mit dem Auto los.

Auf der Rückfahrt verbrachten wir ein paar Tage auf dem Campingplatz: Farm & Camping Lazy

Hier gibt es zwar eine barrierefreie Toilette und Dusche, wobei der Zugang dorthin mit Rollstuhl kaum machbar ist. Der Weg ist zu abschüssig, holprig und schmal. Für Menschen mit geringer Gehbehinderung vielleicht möglich, wobei sich dann auch viele Stolperfallen auftun. Am besten selber ausprobieren.

Das Fortbewegen auf dem Gelände selber und der Weg zum Wald waren mit Vorspannrad hingegen machbar.

Ich war so unglaublich froh ein Quinty Curve (Vorspannrad) zu haben. Ohne dieses Rad wäre dieser Urlaub nicht möglich gewesen. Ich bin Herrn Walter Föhl für diese Erfindung so dankbar.

In Kroatien Mitte April 2022

Wir verbrachten immer wieder mal unsere Osterferien in Kroatien am Meer. Dieses Mal war es uns nach mehr Komfort, schließlich kann es zu dieser Zeit noch empfindlich kalt sein.

Wohin unsere Reise geht, war mir innerhalb Sekunden klar. Natürlich an den für mich perfekten Campingplatz Polidor bei Funtana. Perfekt deshalb, weil hier wirklich für Menschen mit Einschränkungen in der Mobilität und insbesondere auch für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer mitgedacht wurde. Außerdem sind die Preise, gerade zu dieser Jahreszeit noch sehr moderat.

Jakob hat mit mir eine Runde über den Campingplatz gemacht und alles Wesentliche fotografiert, was mir immer wichtig ist, wenn ich nach einem barrierefreien Campingplatz suche.

Da wäre zunächst der Zugang zum Safarizelt. Es gibt Zelte mit einer Stufe oder mit zwei Stufen. Bei der Buchung habe ich darum gebeten, ein für mich praktikables Zelt zu reservieren. Das Team von Polidor hat dies berücksichtigt.

Die Wege um das Zelt sind alle gepflastert und für den Rollstuhl breit genug.

Egal, wo du über den Campingplatz rollen magst, hier kommst du überall hin, auch, wenn es an manchen Stellen etwas eng wird.


Und nun auf ins beheizte Bad, das immer sauber und für gehende Gäste geschlossen ist. Bei jedem Aufenthalt war es mein privates Bad. Hier wurde an alles gedacht, Haltegriffe, unterfahrbares Waschbecken und aufklappbarer Duschsitz.

Vielleicht fragst du dich, was du am Meer machst, wenn du gar nicht dorthin kommst. Auch daran hat Polidor gedacht. Außerdem sind ausgedehnte Rollfahrten am Meer entlang überhaupt kein Problem.

Für mich persönlich sind die Menschen vor Ort, die mir immer hilfsbereit, auch mit unkonventionellen Lösungen zur Seite stehen am wichtigsten. Das ganze Polidor-Team ist stets darum bemüht dir einen wunderschönen Aufenthalt zu ermöglichen. Du kannst dich immer mit jeder Frage und jedem Problem an das Personal vor Ort wenden.

Hier ist ein unbeschwerter, da barrierefreier und erholsamer Urlaub immer möglich. Danke an das gesamte Polidor Team. Ihr seid spitze!

2 Antworten

  1. Sabine Lengerer

    Sieht man auf dem Foto tatsächlich den Campingplatz von Carta? Das sieht fast wie ein großer, privater Garten mit vielen Obstbäumen aus! Sehr idyllisch!

    • BrigF

      Liebe Sabine, ja das ist der Campingplatz. Wir haben jeden Tag Äpfel vom Baum gegessen. Auch Himbeeren gab es in Hülle und Fülle.

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