In Rumänien (Siebenbürgen) Sommer 2019

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Nachdem mein Herz sehr für Rumänien brennt, war klar, dass unsere erste große Reise mit Ludwig nach Siebenbürgen (Transilvanien) geht. Da meine Eltern aus Siebenbürgen sind und ich dadurch als Kind ganz oft meine Sommerferien in der Nähe von Sibiu (Hermannstadt) verbracht habe, ist das Land mir eben schon vertraut und ich verbinde unglaublich viel Positives damit. Es war damals schon immer ein Abtauchen in eine andere Welt, in der die Menschen so ganz anders lebten, als bei mir Zuhause in Deutschland. Mich hat das Leben und die Landschaft dort schon immer fasziniert und völlig in den Bann gezogen. Überall Tiere, die frei umher liefen, die kleinen, bunten Häuser mit ihren großen Holztoren, die riesigen Gärten mit all dem leckeren Obst und Gemüse, die staubigen und unwegsamen Straßen, die Pferdekutschen, mit denen man von A nach B kam und die Menschen, die im Einklang mit der Natur und ihren Tieren lebten. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das die schönsten Sommerurlaube waren, die ich mir als Kind nur vorstellen konnte. Sie haben bei mir Spuren hinterlassen, die ich nicht missen möchte.

Was lag da wohl näher als mit Jakob, den ich mit meinem Rumänien-Fieber bereits angesteckt hatte und Ludwig, der bekanntlich auch aus Rumänien stammt in mein geliebtes Land zu reisen?

Ich plante die Reise so, dass wir einen Zwischenaufenthalt in Österreich und einen in Ungarn hatten. Es sollte ja auf keinen Fall in Stress ausarten, denn Jakob musste ja immer wieder das Zelt aufbauen, die ganzen Sachen aus dem Auto holen und unser gemütliches Bett im Ludwig herrichten. Bei jeder Abfahrt wieder alles abbauen und einräumen und bei jeder Ankunft wieder aufbauen und ausräumen. Da wir nicht wussten, wie sich das anfühlt, wollten wir uns einfach Zeit lassen nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel!

So starteten wir am 05.08.2019 und machten in Frauenkirchen in Österreich unseren ersten Halt.

Wir waren schon so früh am Campingplatz „Paula“ da, dass es noch für einen Nachmittagskaffee (also vor 16 Uhr) mit einem süßen Teilchen reichte.

So haben wir uns dann eingerichtet:

Nach 2 Übernactungen ging es weiter nach Ungarn auf den Campingplatz Oazis Tanya in Kiskunhalas. Als wir ankamen, wussten wir sofort: Hier bleiben wir länger. Wenn du dir die Fotos anschaut, weißt du warum.

Entdeckst du unseren Ludwig mit Zelt? So ein toller Platz!

In diesem Haus befand sich eine Küche, ein Aufenthaltsraum und ein gefüllter Kühlschrank mit alkoholfreiem Radler für unsere lauen Sommernächte.

Wenn man möchte, kann man hier abends in geselliger Runde eine von Tineke zubereitete Mahlzeit genießen.


So und jetzt aber auf nach Rumänien. Sofort nach der Grenze habe ich gewusst: Ja, ich bin angekommen und genau richtig hier! Ab jetzt ist Dauergrinsen bei mir angesagt. An alle Rumänien-Kenner mal eine Frage: Kannst du auch riechen, dass du in Rumänien bist? Irgendwie riecht es doch ständig nach gemähten Wiesen und Holzfeuer. Ich liebe diesen Duft!

Mittagessen in der Nähe von Arad. Die Sonne brennt und wir verdrücken uns so gut es geht in den Schatten:

Und dann haben wir unser Ziel, den Campingplatz De Oude Wilg abends in Kerz erreicht. Als wir aus dem Auto ausstiegen, bot uns unser rumänischer Zeltnachbar aus Bukarest sofort seine immerwährende Hilfe an. Wie schön!

So sah es dann am nächsten Morgen aus:

Hier noch ein paar Ausblicke direkt von unserem Platz aus:

Kulinarisch haben wir es uns hier richtig gut gehen lassen, schließlich gab es überall leckeres und sonnengereiftes Obst und Gemüse. So zauberte Jakob alle Gerichte, die ich mir gewünscht habe.

Wie du vielleicht erkannt hast, steht das Zelt auch ohne Befestigung am Auto. Das ist äußerst wichtig, denn nur so können wir auch Ausflüge unternehmen. So sieht das dann aus:

Also auf nach Schäßburg!

Durch schöne Dörfer:

Unterwegs kurze Mittagspause mit nettem Hundebesuch.

Und dann die Überraschung schlechthin! Schäßburg wartete mit einem internationalen Folklorefest auf uns. Wir waren ganz beseelt. Auf dem ersten Bild siehst du eine rumänische Tanzgruppe. Achte mal auf die Gesichter der Tänzer und Sänger!

Auf dem Rückweg zum Auto, schön, aber doch wegen des holprigen Kopfsteinpflasters auch sehr beschwerlich. Jakob musste mich rückwärts über die Pflastersteine ziehen.

Doch auch in Kerz selber gab es einiges zu entdecken. Zum Beispiel ein altes Zisterzienserkloster aus dem Jahr 1202. Sehr beeindruckend!

Im Chor des Klosters befindet sich die evangelische Kirche, in der heute noch jeden 3. Sonntag ein Gottesdienst stattfindet.

Die Orgel der Kirche:

Und die alten Gesangbücher mit vielen mir vertrauten Liedern:

Oftmals fuhren wir einfach durch die angrenzenden Dörfer und genossen jeden einzelnen Blick. Hier eine kleine Auswahl:

An einem heißen Tag besuchten wir das Freilichtmuseum der traditionellen Volkskultur ASTRA im jungen Wald in der Nähe von Hermannstadt (Sibiu). Wir genossen die schattenspendenden Bäume und konnten manchmal keinen Unterschied zu dem Leben der Menschen in der heutigen Zeit feststellen. Ganz Rumänien ist ein einziges Freilichtmuseum!

Natürlich darf in Hermannstadt ein Besuch im Wiener Café mit Blick über die Dächer nicht fehlen.

Am frühen Abend machten wir uns auf den Weg zu unserem momentanen Zuhause, nämlich den Campingplatz in Kerz. Zeitgleich machten sich auch die Tiere auf den Heimweg von der Weide in ihren Stall. Dabei wusste jedes Tier ganz genau wo es wohnt.

Obwohl wir uns täglich ein leckeres Essen auf den Teller zauberten (kannst du bei Gaumenfreuden entdecken), besuchten wir einmal die Orangerie der Brukenthal’schen Sommerresidenz in Freck. Hier gab es gegrilltes Hühnchenfleisch in Zitronensoße und Kartoffeln. Es war sooo lecker! Irgendwie schmeckt das Fleisch in Rumänien viel besser.

Ein ganz besonderes Highlight in Siebenbürgen ist der Besuch der beiden Schwestern und Neffen meines Onkels. Hier war ich als Kind schon ganz oft und hier bin ich zum ersten Mal auf dem Rücken eines Pferdes gesessen. In unserer letzten Woche in Rumänien besuchten wir noch meine Verwandten und wurden wie immer bei Speis und Trank herzlich empfangen. Zur Verabschiedung gab es noch zwei gefüllte Kisten mit Gemüse aus dem eigenen Garten, damit wir bei unserer Heimreise auch genug zum Essen haben :-).

Hier bekommst du mal einen Einblick:

Tja und nach 17 Tagen in Siebenbürgen machten wir uns dann schweren Herzens auf den Weg Richtung Augsburg. Es gibt kein Land, das ich so wehmütig verlasse wie Rumänien. Wenn ich einmal dort bin, will ich einfach nicht mehr weg. Aber hilft ja nichts! Also traten wir die Heimreise an. Wir fuhren zuerst nach Ungarn auf den uns bekannten Campingplatz und blieben dort noch 3 Nächte. Anschließend machten wir noch in Burgenland einen Zwischenhalt und suchten uns einen Platz auf der Wiese. Nach 2 Nächten ging es zurück nach Augsburg.

Resumee: Wir waren 4,5 Wochen mit Ludwig unterwegs. Die Zeit in Rumänien war mit Abstand die beeindruckendste und erlebnisreichste. Täglich begegnete uns etwas Neues und Unvorhergesehenes. Wir haben viele, auch schwierige Situationen gemeinsam gemeistert und wurden Improvisationsmeister. So haben wir beispielsweise eines abends festgestellt, dass unsere Luftmatratze ein Loch hat und wir unmöglich darauf schlafen können. Der Schock war erst einmal groß, denn auf einer harten Siebdruckplatte zu liegen, ist für eine Rollstuhlfahrerin wie mich im Grunde genommen unmöglich, da ich schmerzhafte Druckstellen bekomme, die dann in Spastiken enden. Mein erster Gedanke war, wir müssen die ganze Nacht Party machen, in unserem Alter echt schon eine Herausforderung. Nach gemeinsamen Überlegen hatte ich dann die Idee auf unseren beiden Liegen zu nächtigen, was mit untrennbarem Doppelschlafsack und unbeweglicher Rollstuhlfahrerin (also mir) gar nicht so einfach war. Wir haben es dann allerdings ganz gut geschafft und als gar nicht mal so unbequem befunden. Am nächsten Tag sind wir dann auf der Suche nach einem Luftmatratzen-Ersatz nach Hermannstadt gefahren. Leider zunächst mit ernüchterndem Ergebnis. Als wir uns schon frustriert auf den Heimweg machten, entdeckte ich zufällig an einer Kreuzung auf der rechten Seite ein großes Schild mit der Aufschrift: DECATHLON. Dieser Schriftzug lässt alle Camper-Herzen höher schlagen, auch unseres. Bei mir löste er einen Jubelschrei aus und als wir dann 3 Exemplare der einzigen Luftmatratze, die von den Maßen her in unseren Ludwig passen, in den Händen hielten, war ich wohl der glücklichste Mensch auf dieser Erde! Dieses Erlebnis steht für Vieles, was uns dort begegnet ist und ich kann nun mit noch größerer Gewissheit sagen: Ich liebe dieses Land, diese Menschen, diese Natur, diese Herausforderungen, die ein Leben abseits der Komfortzone bedeuten und komme bald wieder, ganz bald sogar, versprochen!

Wenn du wissen möchtest, was wir während dieser Zeit leckeres gekocht und gegessen haben, dann schau doch mal bei Gaumenfreuden vorbei.

Wenn du wissen möchtest, was ganz speziell ICH zum Campen brauche, dann bist du bei Ausstattung genau richtig.

Natürlich muss auch ich mal auf die Toilette und waschen wäre hin und wieder auch ganz gut. Wie das bei mir funktioniert, kannst du bei Hygiene entdecken.

Auch, wenn Jakob und ich uns stundenlang unterhalten können (ist echt so!), macht es doch Spaß von einem Buch, einem Film, von Musik oder einem Spiel angeregt zu werden. Was wir da so alles dabei haben, zeige ich dir bei Unterhaltung.

Wenn du wissen möchtest, wie barrierefrei die besuchten Campingplätze sind, dann kannst du dich bei Barrierefreiheit informieren.

Wenn du wissen möchtest, welche Bilder und Zeichnungen Jakob von diesem Urlaub angefertigt hat, dann gehe zu Jakob.

6 Antworten

  1. Sabine Lengerer

    Ach das ist dieser Backofen, von dem du so viel erzählt hast. Unfassbar, was ihr für tolle Gerichte darin zaubern könnt. Bin schon gespannt, ob es noch mehr Gaumenfreuden gibt, die man bestaunen kann.
    Liebe Grüße
    Sabine

  2. Martin Krattiger

    Liebe Brigitte, vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht über ein mir ziemlich unbekanntes Land. Du hast es so schön beschrieben, dass ich gleich mein Bündel packen möchte. Liebe Grüsse aus Basel von Martin

  3. Sabine Lengerer

    Auch wir haben Rumänien sehr in unser Herz geschlossen. Wie du, wir sind ja Schwestern, habe ich oft die Sommerurlaube in Siebenbürgen verbracht. Und auch ich habe diese Zeit in sehr guter Erinnerung und kann rückblickend sagen, dass das die schönsten Sommerferien waren. Als Kind nimmt man die Eindrücke nochmals anders auf. Was mir damals als „normal“ erschien ist jetzt aus der Perspektive einer erwachsenen Frau nochmals ein Bewusst werden, dass das Leben dort gerade in seiner Ursprünglichkeit, Einfachheit viel entspannter und stressfreier war. Wenn man natürlich die politische Situation, die damals herrschte, außer acht lässt.
    Aber die Landschaft, die Dörfer, wie sie eure Fotos wieder spiegeln, ist in Europa einzigartig, da der Mensch noch nicht so sehr eingegriffen hat und immer noch im Einklang mit der Natur lebt.
    Ich war bisher immer skeptisch was das Campen in Rumänien betrifft. Aber euer Erfahrungen ermutigen einen, sich darauf einzulassen.
    Leider sind wir nicht so professionell ausgestattet wie ihr. Ich weiß auch nicht, ob wir da auch nur annähernd hinkommen.
    Zum Glück gibt es jedoch in Rumänien viele Alternativen. Schöne Landhäuser, Ferienwohnungen und auch Hotels mit guter rumänischer Küche, die ebenso einen schönen Urlaub versprechen.
    Auch mir ist es gelungen, wie dir bei Jakob, Stefan mit meinem Siebenbürgen-Fieber anzustecken. Wir waren bereits einige male dort und werden das Land bestimmt wieder bereisen.
    Vielleicht mal wieder gemeinsam?!?!?!
    Vielen Dank für die wunderschönen Fotos und Berichte.
    Ich hoffe, es folgen noch mehr.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • BrigF

      Liebe Sabine, es gibt tatsächlich wunderschöne Unterkünfte in Rumänien. Die Erfahrung haben wir auch schon gemacht. Gerne können wir mal wieder zusammen nach Rumänien reisen. Mir schwebt da so eine Eseltour vor :-), die Jakob und ich nicht alleine bewältigen können, aber gemeinsam würden wir es bestimmt schaffen.

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